Individuelle Lernförderung
„Wenn es sprachlich nicht so ungewohnt klänge- es wäre angemessen, anstelle von Förderung vom Ermöglichen zu sprechen.“
[Matthes, G. (2018). Förderkonzepte einfühlsam und gelingend. Psychologische Grundlagen und Methoden der Entwicklung individueller Förderkonzepte. Dortmund: verlag modernes lernen.]
Die Inhalte dieser Seite geben Anregungen für die Entwicklung eines gelingenden Lernhandelns, welche Lernaktivitäten initiieren, begleiten und befördern können.
Im 4-Felder-Modell [Matthes, G. (2024, S. 39-45). Vom Förderanliegen zum gelingenden Lernen. Dortmund: verlag modernes lernen.] werden Bedingungen des Lernens erfasst. Lernaktivität ergibt sich aus dem vernetzten Zusammenwirken der Funktionseinheiten: Basale Kompetenzen, Wissenserwerb, Motivation und Handlungssteuerung. Das Modell unterstützt die Strukturierung und den Prozess einer individuellen Lernförderung. Als Leitbild dient die positive Lernsituation.
Wir danken Herrn Prof. Dr. G. Matthes für die Genehmigung, folgende Dateien auf dieser Seite zur Verfügung zu stellen:
- Das Vier-Felder-Modell des Lernens (theoretische Grundlage, Erläuterung des Modells)
- Zur Itementwicklung (Auswahl von Bedingungen des Lernhandelns zur Beurteilung der Lehr-Lern-Situation)
- Bausteine des Struktur-Lege-Verfahrens (Schritte einer Förderplanung mit dem Schwerpunkt der Struktur-Lege-Technik)
Zur Itementwicklung
Das Struktur-Lege-Verfahren „Vom Förderanliegen zum gelingenden Lernen“ (Matthes, 2024) nutzt einen Kärtchensatz von 32 Items. Zu jedem der 4 Funktionsbereiche gehören je 8 Kärtchen, die Bezug auf eine Lernkomponente nehmen. Eine eindeutige Zuordnung zu jeweils einem Feld lässt sich nicht herstellen. „Denn alles Beobachtbare aber ist Ausdruck des Zusammenwirkens. Jedes Kärtchen trägt eigentlich nicht nur eine, sondern vier Farben in unterschiedlicher Ausprägung. Wobei ‚eine Farbe dominiert‘.“ (Matthes, Foliensatz „Zur Itementwicklung“, S. 12)
Bei Betrachtung der einzelnen Phasen der Lernhandlung und ihren wesentlichen Prozessen kann ebenfalls eine Zuordnung der Items erreicht werden.
In der vorliegenden Variante wurde die Textseite der Items durch die Aufnahme von Teilhabe mindernden Faktoren (Beispiele) modifiziert. Grundlage dafür waren die Items des Struktur-Lege-Verfahrens 2018/2020. Diese wurden entsprechend der Lernkomponenten geordnet und ergänzt.
Link: SLV 2018/2020
In der Erarbeitung der Komponentenanalyse können durch diese Darstellungsform zusätzliche Impulse insbesondere in der Fallberatung gegeben werden.
Bausteine des Struktur-Lege-Verfahrens (SLV)
Die Strategie „Vom Förderanliegen zum gelingenden Lernen“ umfasst 6 Bausteine. Diese werden nachfolgend erläutert.
Struktur‑Lege‑Techniken unterstützen Vorwissen und Zusammenhänge von Themen sichtbar zu machen, Begriffe zu ordnen und Beziehungen zu klären. Hilfreich sind die Visualisierungen der semantischen Netze, weil die Querverbindungen zwischen Teilbereichen dieses Denken zeigen und Tiefe fördern. Sie begleiten so fachliches Verständnis und Kommunikation.
Von der Komponenten- zur Strukturanalyse
In der nachfolgenden Variante wird der Übergang von der Komponenten- zur Strukturanalyse durch die Anwendung von Concept Maps dargestellt. Dies erfolgt sichtbar durch den Wechsel vom analogen Vorgehen zum Einsatz eines digitalen Werkzeugs (CmapTools).
Concept Maps nach Novak/Gowin sind visuelle Wissenslandkarten, die Begriffe und deren explizit benannte Beziehungen zeigen. Sie dienen dazu, Aussagen (sogenannte Propositionen) zu bilden. In Concept Maps sind Propositionen die kleinsten Bedeutungseinheiten: Zwei Konzepte, verbunden durch ein oder mehrere Verbindungswörter, ergeben eine sinnvolle Aussage. Man kann jede Proposition als einfachen Satz lesen.
Konzept A + Verbindungswort + Konzept B, meist mit gerichteten Pfeilen.
Verbindungswörter präzisieren die Beziehung zwischen den beiden Konzepten (z. B. ist ein, besteht aus, verursacht, führt zu, Teil von, Beispiel von, nutzt, benötigt).
Hinsichtlich der Relationen im SLV wird systematisiert (Matthes, Die Bausteine SLV, Folie S. 17):
- Auslösende versus aufrechterhaltende Ursachen (Bedingungen)*.
- Konstruktive vs. destruktive Wirkungen.
- Direkte vs. indirekte, versteckte Wirkungen (unmittelbarer Effekt – Effekt über Zwischenschritte).
- Wechselwirkungen: Faktoren (Situationen), die sich gegenseitig beeinflussen.
- Kausale Ketten (Sequenz von Faktoren, bei der eine Ursache zur nächsten führt).
- Bedingte Ursachen: Ursachen, die nur unter bestimmten Bedingungen zu einer Wirkung führen.
Die Relationen zwischen den Komponenten (Kärtchen) sind vielschichtig. Sie können durch Symbole angedeutet werden. In der Regel werden sie vor allem in das Strukturbild hineingesehen und es ist wichtig sie zu verbalisieren.
* Auslösende (präzipitierende) Faktoren: Ausgangspunkt für die Entwicklung einer Störung. Aufrechterhaltende (perpetuierende) Faktoren: Faktoren, die dazu beitragen, dass die Störung weiterhin besteht (unter anderem langfristige Stressoren, anhaltende Misserfolgssituationen oder andere Stressoren, Beziehungsstörungen, maladaptive Verhaltensweisen und Gedankenmuster).
Bezogen auf die Heidelberger Struktur-Lege-Technik (SLT) formulieren Scheele/Groeben/Christmann (1988) zu Relationen im Wesentlichen:
- Relationen sind der Bedeutungsträger der Struktur: Die explizit benannten Beziehungen zwischen Begriffsknoten machen das inhaltliche Modell sichtbar.
- Relationstypen vorab definieren und konsistent markieren (z. B. durch Pfeil-/Liniencodes, Farben, Beschriftungen). Gleiche Codierung = gleicher Relationstyp.
- Relationen werden sprachlich als Verb- oder Prädikationsphrasen benannt (formuliert die eigentliche Beziehung statt ganzer Sätze, z. B. „ist Teil von“, „ist Oberbegriff zu“, „bedingt“, „führt zu“, „steht im Gegensatz zu“, „ist Beispiel für“).
- Richtung und Symmetrie sichtbar machen:
- gerichtete Relationen (kausal, konditional, temporale, teleologische*) mit Pfeilen,
- ungerichtete Relationen (Ähnlichkeit/Äquivalenz, Gegensatz) mit Linien ohne Richtung.
- Typische, fachübergreifend nutzbare Relationstypen: Ober-/Unterordnung (hierarchisch), Teil–Ganzes (partitiv), Ursache–Wirkung und Mittel–Zweck (kausal/teleologisch), Voraussetzung–Folge (konditional), Zeitfolge/Parallelität (temporal), Ähnlichkeit/Äquivalenz und Gegensatz/Kontrast (semantisch), Beispiel/Illustration, Definition.
- Ein begrenztes, fachlich passendes Relationsinventar erhöht Übersicht, Vergleichbarkeit und Reliabilität; zu viele Typen mindern die Lesbarkeit und Auswertbarkeit.
* Eine teleologische Relation beschreibt eine Zweck‑ oder Zielbeziehung: Sie macht sichtbar, wozu etwas dient bzw. mit welchem Ziel eine Handlung, Maßnahme, Regel oder ein Element eingesetzt wird. Kurz gesagt: X wird getan/eingesetzt, um Y zu erreichen. Typische sprachliche Formulierungen: „dient (zu)“, „bezweckt“, „wird eingesetzt, um …“, „hat die Funktion, …“, „ist Mittel für …“
Beispiel: Vorbereitung eines Cmap für die Teamberatung (Schwerpunkt: Erarbeitung der Relationen)
Links
- CmapTools (Software und Dokumentation): Externer Link
- Wilmas Werkstatt (Tutorials und Werkzeuge rund ums Studium): Externer Link
- Manual zum Gebrauch von CmapTools (Teil 1): Externer Link
- Manual zum Gebrauch von CmapTools (Teil 2): Externer Link
Empfohlen wird im Übergang von der Komponenten- zur Strukturanalyse folgendes Vorgehen:
- Erarbeitung der Komponentenanalyse entsprechend der Durchführungshinweise zum Struktur-Lege-Verfahren, Nutzung des Kärtchensatzes, Beschränkung auf maximal 8 Komponenten im Ergebnis,
- Übernahme der „analogen“ Veranschaulichung in die digitale Arbeitsform, Möglichkeit des direkten Einfügens einer Grafik bzw. Quellverlinkung im jeweiligen Konzept mit farblicher Zuordnung, geringer schriftlicher Aufwand.
Vorteile der nachfolgenden digitalen Strukturanalyse sind:
- flexible Visualisierungen der Konzepte, Erarbeitung variabler Wirkstrukturen,
- Fokussierung auf die Relationen zwischen den Konzepten,
- Gruppieren von Komponenten (Bilden von „Containern“),
- Bearbeitung und Präsentation (z.B. über digitale Tafeln),
- Austausch über verschiedene Dateiformate möglich,
- prozessbegleitende Weiterführung.